Mittwoch, 13. Februar 2008

Wie ich den Krieg gewann

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Die Dschihadisten schiessen ihren Opfern in den Kopf, schneiden ihnen die Kehle durch und lächeln in die Videokamera. Das kleine Dorf Medina Wasl in der irakischen Wüste wird von Extremisten terrorisiert. Bis das 5-82er Battalion der US Army kommt und den bösen Buben einmal klar macht, was ein durchtrainierter Peacemaker so alles drauf hat. Auch wenn sie aus Versehen auch Unschuldige mal liquidieren.
Nach dem Kampf sitzen sie dann alle zusammen, Terroristen, Soldaten und Dorfbewohner, die Toten, Verwundeten und Überlebenden. Man scherzt, feiert und spielt Poker.
Der Wanderer ist nun endgültig ins Reich des Wahnsinns gewechselt, meint ihr ?

Oh nein. Er war im Kino, "Full battle rattle", in einem Dokumentarfim.


Die US Regierung ist ja mittlerweile in ihrer Fantasie kaum mehr zu toppen.
Um den Menschenfleischnachwuchs für den Irak so richtig auf das klassische Motto: "join the army, travel to exotic countries, meet foreign people and kill them" vorzubereiten, hat das Militär das Rollenspiel entdeckt.
Tief in der Mojave Wüste in Südkalifornien wurden irakische Dörfer nachgebaut, inklusive Moschee natürlich und Exiliraker zu einem Tagessatz von $ 250.- verpflichtet, dort die Bewohner zu spielen ( übrigens verdienen diese Darsteller mehr, als der Durchschnittssoldat imEchteinsatz).


Dann arbeiten gewiefte Drehbuchschreiber ein spannendes Szenario aus und dann geht es los mit der Simulation für den baldigen Ernstfall.
Natürlich haben alle diese Plots ein Happy End, Hollywood ist ja recht nah. Auch wenn irrtümlich der Sohn des Bürgermeisters erschossen und Häuser verwüstet werden, zum Schluss gibt es einen Sieg der Diplomatie, Geschenke werden verteilt und eine neue Infrastruktur im Nu errichtet. Dann liebt der Dorfbewohner den Besatzer ja gleich ungleich mehr als seine eigene Kinder.
Manchmal gibt es kleine Kommunikationsprobleme beim Drehbuchlesen hüben wie drüben.
Eine frisch in Amerika befindliche Irakerin hat Schwierigkeiten beim Wort "Tyranny". Sie kann mit diesem Begriff nichts anfangen. Warum auch.
Ein Amerikaner, der kurzfristig aus Terroristenmangel zu den Radikalen wechselt, hat beim Kehledurchschneiden sichtlich Probleme "Gross ist Allah" zu rufen. "Allu Akbak ?, Ahula baka ?, what should I yell ?"


Aber das sind Kleinigkeiten.
Das Militär hat so eine Freude an dieser Simulation, dass neben den bereits 19 bestehenden irakischen Dörfer, nun auch welche im afghanischen und - man weiss ja nie - im iranischen Stil errichtet werden. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, kann man verstehen, warum für den fundamendalistischen Muslim Amerika die einzig wahre Heimat ist.
Und dass sich dieses Rollenspiel auch für die Sodaten im wirklichen Einsatz bezahlt gemacht hat, zeigt das Score nach sechs Monaten Echt-Irak. Nur vier Tote beim 5-82er Battalion. Das kann sich echt sehen lassen. (über irakische "aus Versehen"-Opfer liegen derzeit keine Zahlen vor)

Aber genug Blut für heute.


Der Wanderer hat genug von "in god we trust",


von Stahlhelmen


und, ähem, kugelsicheren Westen.


Und den ewig gestrigen Ösis, die doch nicht genug "kriegen" können, sei es ein für alle mal gesagt:

The birds

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Hommage an Alfred Joseph H.



1962 zu der Frage, wie der Film "Die Vögel" enden wird: "Das hängt von den den Darstellern ab.
Wenn sie meinen Anweisungen folgen, kommen sie mit dem Leben davon. Wenn nicht, lasse ich sie von den Vögeln auffressen."

Dienstag, 12. Februar 2008

Out of Sight

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Das wichtigste Instrument eines Fotografen bei den Festspielen ? Nein, weder Kamera, noch Teleobjektiv, noch Blitzlicht, noch Stativ. Diese Werkzeuge belegen nur die Plätze zwei bis fünf.

Der Tool-scar für den Aufstieg des Jahres goes to


Nur so kann der gewiefte Dauerdrücker im wild wogenden Meer von A bis D Prominenz, Filmwirtschaft, Journaille, Autogrammjägern und notorisch Neugierigen das Ziel, den TripleA -Star ausfindig machen und ins Reich der Pixel transferieren.

Wer sich stufenlos hier zeigt, den bestraft der Ausschnitt. (und damit sind nicht die sehr reduzierten Oberteile mancher Abendroben der Red Carpet Vamps gemeint).

Um den markanten Unterschied für den Laien zu demonstrieren, nachfolgend ein paar Fallstudien:

Ohne Leiter:

Beispiel 1


Beispiel 2:


Mit Leiter:

Beispiel 1:


Beispiel 2 :


Gut der Wanderer gesteht, die letzten beiden Bilder sind auch nicht von Leitern aus entstanden.
Aber welche wichtige Erfahrung kann man trotzdem daraus ziehen ? Bei einem Abstand von nur einem Meter zur Beute können Leitern wieder getrost den echten Handwerkern überlassen werden.

Aber wenn schon Johnnie To, der wichtigste Regisseur und Produzent des Hongkong-Kinos der letzten Dekade, und Kelly Lin, Tos Lieblingsschauspielerin ( eine Atemberaubung nach der Hollywood immer lauter ruft) gemeinsam Berlin die Aufwartung machen, warf sich sogar der eher stoisch-distanzierte Wanderer - künstlerisch wie hormonell getrieben - in die Journalistenbrandung.

Als Gegenkur verschrieb sich der sündige Pilger danach wieder einer Kontemplation in Licht und Schatten. Natürlich auch schon deswegen, weil die Meditation in schwarz und weiss im letzten Blog von der Gemeinde äusserst wohlwollend reflektiert wurde.







Montag, 11. Februar 2008

Easy Rider(s)

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Foto-Exkurs: Stillstand und Bewegung







Das Leben der Anderen

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Firas - Bass
Tony - Leadgitarre
Faisal - Gesang
Marwan - Schlagzeug.
Die Band heisst Acrassicauda, die lateinische Bedeutung für "Schwarzer Skorpion".
Die Musik? Heavy Metal.
Heavy Metal in Baghdad.
Acrassicauda ist wahrscheinlich die einzige Musikgruppe auf der Welt, die zu Ehren eines Diktators einen Headbangersong geschrieben hat.
Um in den Zeiten von Saddam Hussein öffentlich mit Musik auftreten zu können, musste man um Genehmigung beim Ministerium für Kultur ansuchen. Dieses Amt erteilte seine Zustimmung nur, wenn zumindest ein Loblied auf den irakischen Führer dabei war.
Und so komponierten die vier Jungs mit schrillen Gitarrensolis, hämmerndem Schlagzeug und kreischender Stimme eine Huldigung der etwas aussergewöhnlichen Art.
Der kanadische Film "Heavy Metal in Baghdad" erzählt die Geschichte der wohl einzigen "hardcore motherfuckin" Band des Iraks, die unterm totalitären System begann, die Bomben und Schüsse der letzten Jahre überlebte, vor zwei Jahren nach Jordanien flüchtete und heute in der Türkei lebt.
Vier Stahlbuben, die es in sieben Jahren gerade auf ebenso viele Konzerte brachten. Jungs, die von langen Haaren träumen und nun Gefahr laufen, in der Türkei in ein Spezialdorf im Nirgends abgeschoben zu werden, wo tiefgläubige Muslime das Sagen haben.
Knapp 2,5 Millionen Iraker sind seit dem "Kriegsende" in die umliegenden Nachbarländer geflüchtet und niemand will sie eigentlich haben. Es gibt für den, der kein Geld hat, kein Visum und natürlich auch keine legale Arbeit.
"Heavy Metal in Baghdad" zeigt uns zwar vordergründig ein exotisches musikalisches Unikum, aber in der Essenz macht er dem Betrachter sehr bewusst, dass die Situation im Irak einen sozialen Flächenbrand im nahen Osten ausgelöst hat. Amerika ist im Öl und schießt, Europa steckt nüchtern seine Köpfe zusammen und analysiert. Im Westen nix Neues. Und irgendwo tickt etwas immer schneller....

Der Trailer zum Film : http://www.heavymetalinbaghdad.com/


Und nun noch zu den breaking news ausserhalb der Berlinale.


In Zentrum von Seoul ist heute der Nationalschatz Nummer 1, das Namdaemun Gate, eines der vier ehemaligen Haupttore der alten Stadtmauer, völlig abgebrannt.

Aktuelle Fotos vom Feuer unter http://www.flickr.com/photos/pwalks/2254954529/in/photostream/


Der Wanderer ist bestürzt. Letzten Herbst ist er mehrmals voller Bewunderung davor gestanden .


Sonntag, 10. Februar 2008

Star wars

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Der Wanderer weiss, die Fanclubs seines Blogs und natürlich auch die ganzen Groupies wollen auch einmal ihn sehen,
den Shootingstar der Jahre 1991-2008 ( allein gestern wollten beim Shoppen gleich vier Kassiere ein Autogramm auf diese weissen Zettel mit den vielen Zahlen haben)
den permanenten Publikumsliebling (zwei Damen im attraktiven BVG Blau lauerten schon am Ubahn Eingang, um ihn mit den Worten anzuhimmeln: "Können Sie ihre Zigarrette mal weghalten, wa ?", ein schick angezogener Herr mit Stöpsel im Ohr rannte ihm beim Gleisdreieck, als der Wanderer eine Abkürzung nehmen wollte, nach und fiel ihm um den Hals: "Sie wissen, dass das eine Privatstrasse ist, nee ?" usw...)
einen der wenigen, der neben einem oscar auch schon einen viktor im gleichen jahr verliehen bekommen hat (für der fünftelpate teil 1 und teil 2)

an sich ist ja eitelkeit beim pilger kein thema, aber bevor die menge zu murren beginnt, zwei publicity-fotos, eines sogar mit widmung zum ausschneiden.



(moviestill aus einem frühen experimentalfilm "the wired stoneage womanizer" )


( moviestill aus dem derzeitigen box office hit " the return of the Leica dude")

Generell ist zu bemerken, dass bei der berlinale unheimlich viel wohlproportionierte herrn mit auffällig kurzgeschnittenem haar in der nähe von prominenz herumhängen, die alle permanent mit ihren kleinen gekringelten kopfhörern musik lauschen ( bevorzugte lieder wie "shake your body", "move away closer" oder "walk on by", also eher klassische 60er und 70er songs)


die meisten wirken sehr misstrauisch (mangelndes selbstbewusssein ?, kindheitstrauma ?, zu viele vitaminpräparate ?),

viele sogar richtig martialisch,


nur wenige bleiben entspannt.


vielleicht liegt es auch am drogenkonsum, der ja in der künstlerszene angeblich recht gross sein soll. der rote teppich wirkt heuer bei längerer betrachtung sehr psychedelisch, richtig escheresk.


auch die kinosäle selbst haben etwas seltsam dogmatisches an sich (sound ist fein,wenn auch etwas zu viel hall, aber die leinwände sind sehr sehr klein.)


Aber was solls, am Abend war der Pilger unter seinesgleichen und da konnten diese konflikte vergessen werden.

Patti und Steven haben sich riesig gefreut, den Wanderer wieder zu sehen


und auch mit Ben wurde es nach anfänglichen Verwechslung ( Arnold, it s you ?) noch ein gemütlicher abend unter oscar(preis)trägern.

Samstag, 9. Februar 2008

Minority Report

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Der Wanderer hat sich heute unter die Autogrammjäger und sonstige Fanatiker der grauen Stars gemischt. Nein, nicht um von einem Kugelschreiber irgendwelche Namenskritzeleien auf ein Blatt Papier geschmiert zu erhalten.
Diesmal um Informationen von der Basis zu erhalten. Zu erfahren, was wirklich Sache ist, was abgeht, wo es brodelt. Mitten hinein zu den hartgesottenen Stehern, Hintereinganglauerern, Limousinenabpassern.



Ein paar wesentliche Neuigkeiten kann ich auf alle Fälle liefern:

Prom-News 1: Frau ? ( ich hab leider den Namen vergessen, aber sie soll jede Woche in der Gala erwähnt sein) hat sich ein Brigitte Kochbuch gekauft und hat in einer Art kulinarischer Nymphomanie alle Rezepte auf zack durchgekocht und braucht nun ein zweites Kochbuch !
(Rezeptspenden via Gala könnten vielleicht die harte Zeit überbrücken, bis dieses Zweitbuch am freien Markt angeboten wird)

Prom-News 2: Till Schweiger hat sich wieder die Achselhaare wachsen lassen. Andere Quellen behaupten, er habe sie nie rasiert.
(Die Welt wartet mit angehaltenem Atem auf die Zeit der T-Shirts und kurzen Hemden)

Prom-News 3: Jessica Simpson findet keinen Halt in ihren neuen Stöckelschuhen.
(Ob es sich hier um eine weitere Tochter Homers handelt, ist bei Redaktionsschluss dieses Blogs noch nicht bekannt. Wie auch immer, der Wanderer ist darüber von den Socken).

Prom-News 4: Der Hotelplan für die Berlinale Superstars in der Berliner Morgenpost stimmt nicht.
(Welche Auswirkungen dieses Hororszenario auf die hiesige Fanszene haben wird, ist derzeit noch nicht abzuschätzen, der Wanderer hält euch auf dem Laufenden. )


Ansonsten war alles in allem ein angenehmer Tag.

Mit netten Kumpels einen von der Kette gelassen,


Mit aufgeschlossenen Frauen über aktuelle Verhütungsmethoden geplaudert.



Mit aufgeschlossenen Männern natürlich auch.


Der Verein zur nächtlichen Verschönerung des Berliner Stadtbilds hat wieder nur so vor Ideen gesprüht.


Und die Befreiung Kubas schaut auch ganz gut aus.


Wie ihr seht, Ente gut, alles gut. Der Rest ist Splitterwerk. (alte Architektenweisheit)


Ach ja, Filme hat der Wanderer auch gesehen, aber das ist jetzt nicht so wichtig.