Sonntag, 30. September 2007

Wait for the light to shine

Der Streuner hat Seoul nun hinter sich gelassen, werte Gemeinde.

Nach diesem Sodom und Gomorrha des Aufschwungs,



nach kaltem Krieg




sehnte er sich nach Ruhe und Insichgekehrtheit und brach auf zu einer vierstuendigen Busfahrt in den Sueden .



Jinju am Nam River ist fuer den Koreaner das, was El Alamo fuer den Amerikaner ist.
Gegen Ende des 16. Jhr. verdeitigten knapp 4000 Koreaner erstmals ihre Festung gegen 20.000 angreifende Japaner so erfolgreich, dass diese daraufhin mit schweren Verlusten ihre uebriggebliebenen Soldaten abzogen. Waehrend der Belagerung wurden von den Koreanern Laternen als Signal- und Informationsinstrumente eingesetzt.
Ein Jahr spaeter kehrten die Invasoren mit rund 70.000 Mann zurueck, eroberten diesmal die Stadt und metzelten alles nieder.
Das jaehrliche Namgang Yudeun Festival erinnert sich ihrer Helden mit einem spektakulaeren Lichtermeer am und im Fluss.

Bei der ersten Sichtung, was den Wanderer da am ersten Oktober erwarten wird,
machte sich schlagartig eine wohl bekannte Emotion breit.

Euphorie (gr. ευφορία, lat. euphoria, euforia) : eine subjektiv temporäre überschwängliche Gemütsverfassung mit allgemeiner Hochstimmung, auch mHochgefühl genannt, einem gehobenen Lebensgefühl größten Wohlbefindens, mit gesteigerter Lebensfreude und verminderten Hemmungen.


Auf einer Laenge von gut einem Kilometer stehen sie also , Laternen in allen Groessen, vom acht Meter grossen Tempelnachbau, der Freiheitsstatue von New York, einem Riesendracula ( eine Spende von Rumaenien !), Figuren aus der Geschichte. Eine hunderte Meter lange Wand von Laternen gibt jedem Besucher die Moeglichkeit, seinen Wunsch darauf festzuhalten, der dann natuerlich in Erfuellung geht.

Scheinbar haben alle Schulkinder aus der naeheren Umgebung die Bastelstunde zu ihrem Beitrag verwendet.



Neben konventionellen Arbeiten,




Varianten von TV-Helden





und inspirierenden Recycling Ideen




findet sich auch viel Skurriles





und manches Provokantes.




Selbst die Muelleimer werden eine Zeitlang sehr stylish.


Und fuer das Feuerwerk morgen, hab ich erste Reihe fussfrei gebucht. Der Balkon meines Motelzimmers geht auf den Fluss hinaus. Bei nur 70 cm Bruestung werde ich jedoch etwas zurueckhaltend mit meiner Euphorie umgehen.




Woche 1 Best of Seltsames

Auffällig hier ist, dass nach wie vor viele Koreaner einen Hang zum - einmal vorsichtig ausgedrückt - Spirituellen haben. In den Strassen blühen Klausen mit Wahrsagern, religiöse Gruppierungen aller Arten laufen mit Megaphonen, Lautsprechern und Tafeln herum, selbst aufblasbare Kreuze werden geschleppt. Und dass bei der Jugend Superhelden und Monster , egal ob im Film, im Computergame oder am T-Shirt immer ein Thema sind, sieht der unstete Wanderer allerorten.

Zeit also assoziative Eindrücke zum Thema der Gemeinde zu präsentieren. Intelligente Kommentare dazu werden erwartet, für den besten Eintrag mit Angabe, welchem amerikanischen Verlag die nachfolgenden Helden entsprungen sind, gibt es nach meiner Rückkehr ein authentisches einheimisches Präsent.

Beispiel 1: Spiderman Normaledition


Beispiel 2: XXL Version



Beispiel 3: Iron Man ( Schizo-Ausgabe)



Beispiel 4: Hellcat ( schnurrend)




Beispiel 5: Human Torch mit Buddies




Beispiel 6: Wonder Man



Freitag, 28. September 2007

Make love net wahr !








JSA hiess einmal ein Film, den ich mit Ed aus B-City mir vor einigen Jahren einmal anschaute.
Joint Security Area ist Realitaet. Ein beklemmender Platz an der Grenze zwischen Nord- und Suedkorea , an dem sich die Soldaten beider Laender wenige Meter von einander entfernt ins grimmige Auge schauen.
Ein kurzer historischer Abriss zur Geschichte der zwei Koreas: Nach dem zweiten Weltkrieg gab es auch hier die obligate Aufteilung eines Landes zwischen Ost ( Russland) und West (USA) als Besatzungszone. Zwei Praesidenten wurden, da keine Einigung auf einen gemeinsamen Staat erzielt werden konnte, "gewaehlt".
1949 verliessen die fremden Truppen offiziell das Land. 1950 griff Nordkorea mit Unterstuetzung von Vaeterchen Stalin den Sueden an und eroberte dank ueberlegener Waffentechnik bald das ganze Land bis auf die Umgebung der Hafenstadt Busan im Sueden. Dann schlug die UNO mit den USA als Frontmen zurueck und liess das nordkoreanische Territorium auf ein Minimum schrumpfen. Als Antwort schickte nun China 300000 "Freiwillige" und der Expander dehnte sich zugunsten Nordkorea wieder nach Sueden aus.
Insgesamt kostete das sich staendig neu entfachende Gemetzel ueber vier Millionen Menschen das Leben, davon rund drei Millionen ziviles.
Erst 1953 einigten sich die UNO und Nordkorea auf einen Waffenstillstand. Zwischen den Koreas gibt es bis heute noch kein Abkommen, also herrscht nach wie vor kein Frieden.
Der 38. Breitengrad ist die Grenze , eine vier Kilometer breite demilitarisierte Zone , kurz DMZ genannt, bewacht von Militaer dicht an dicht - hueben wie drueben - trennt die Voelker bis heute.

Seit einiger Zeit gibt es nun von Suedkorea eine straff organisierte Tour, die durchaus Propagandacharakter hat. Teilnehmen duerfen nur Auslaender. Es ist eine Zeitreise zurueck in den kalten Krieg.

Mehrmalige Passkontrollen, strenge Fotografierauflagen, Soldaten als Begleitung im Bus und im Jeep daneben und natuerlich auch auf den Plaetzen, an den man raus kann.

Kein Handhochheben, Deuten, Winken am Hotspot, der JSA. ( Die an der anderen Seite mit Kameras samt starken Teleobjektiven hinter dunklen Scheiben sitzenden Nordkoreaner koennten mit Bildern von solchen Gesten Propagandamaterial fuer die Bejahung ihres Staates machen, wird uns erklaert). Hier duerfen wir aber zurueckknipsen.


Im Verhandlungsraum hat sogar jeder die Chance kurz ein paar Meter in Nordkorea zu stehen. Klarerweise streng bewacht vom Militaer.






Durch die Scheibe starrt die Konkurrenz.





Man zeigt uns Bruecken ohne Wiederkehr, die Stelle des letzten Scharmuetzels in Nachkriegszeiten, an der ein Nordsoldat mit einer Axt zwei Amerikaner toetete und Infiltrationstunnels. Insgesamt wurden vier davon von nordkoreanischer Seite gegraben, der Letzte wurde erst in den fruehen Achtzigern entdeckt. Der Dritte, in dem Besucher zugelassen sind, hat eine Laenge von ueber eineinhalb Kilometer, davon rund 500 Meter auf suedkoreanischer Seite und ist nur knapp vierzig Kilometer von Seoul entfernt.
Wir muessen ein Dokument unterschreiben, sollten wir durch einen unverhofften militaerischen Zwischenfall ums Leben kommen, keine Ansprueche zu stellen... Spaeter erhalten wir, da wir ja gottseidank alle ueberleben, das Dokument als Souvenir zurueck.
Und so blicken wir durch Fernglaeser in den landschaftlich sehr schoenen Nordteil Koreas, aber ja keine Aufnahmen davon bitte. Eine gelbe Linie fuenf Meter vor der Bruestung ist die Endzone fuer den Ausloesefinger. Eine Japanerin ( ist ja fast ein Klischee), die sich nicht daran haelt, ist ein paar Sekunden danach von drei Soldaten umringt, die die Bilder von ihrer Digicam loeschen.



Als Abschluss koennen wir von einem Huegel aus noch auf Kichong-Dong eine nordkoreanische Propgandasiedlung voller Haeuser aber ausser von Soldaten ansonsten gaenzlich unbewohnt inklusive 160 Meter hohen Fahnenmast mit 270 kg schwerer Flagge blicken. Hier duerfen wir wieder.




Einen Vorteil bietet die DMZ zumindest. Da sich seit fuenfzig Jahren kaum Zweibeiner hier aufhalten duerfen, ist ein respektables Reservat voller seltener Pflanzen und Getier entstanden. Es ist wie immer, der Mensch stoert irgendwie in der Natur.

Als Abschluss fuehrt uns der Weg in den Souvenirshop. Neben T-Shirts, Kappen, Anhaengern und Gedenkmedaillen, wird auch der nun langsam weniger werdende Stacheldraht der DMZ in limitierter Ausgabe ( nur 150000 Stueck Auflage) angeboten.
Seit Nordkorea wirtschaftlich immer mehr ins Schleudern kommt, werden die bilateralen Gespraeche mehr und mehr und kleine Zeichen fuer eine moegliche Friedensverhandlung gesetzt.
Ja und bevor ich es vergesse, wer seinen Kleinen was Nettes zum Anziehen mitbringen moechte, findet auch hier etwas sehr Passendes zum Thema.


Donnerstag, 27. September 2007

slidin' away

Zwar heisst es in unserem heiligen Buch der Buecher, ihr sollt euch kein Abbild machen, aber den Ruf des Konvents konnte ich ja doch nicht unerhoert verhallen lassen.

Also 15 Minuten nach fuenf vor Zwoelf zeigt der Kreuzfahrer Erbarmen:




Vorhang auf fuer



die Stadt mit dem Baeren





und der Spannung ohne Ende





dort wo es jedem die Schuhe auszieht,






die Wirtschaftskurve steil nach oben weist




und eine Abkuehlung dafuer noch nicht in Sicht ist.





Ob Tradition





oder Moderne






es ist endloses, grosses Kino





mit exzellentem Soundtrack






bei Tag








und bei Nacht,






meint der einsame Streuner






in Fernost.




Mittwoch, 26. September 2007

Almwaerts mit der Seilschaft

Wow werte Gemeinde,

der Pionier hat seinen Glauben wiedergewonnen. Das Evangelium des dissonanten Reisens wird ja doch gelesen. Besonders erfeuen den Missionsbeauftragten die ( noch) unbekannten Juenger.
Ich weiss, ihr wartet alle auf Bilder, so ist die Bibel im Mittelalter ja auch verbreitet worden.
Mittlerweile haben sich gut 10 MB angesammelt, aber wie viele wissen, bin ich im optischen Herzen ein rawer Mensch und da ist das Problem des Konvertierens ( diesmal keine religioese Anspielung) ohne eigenen Pc im Tascherl. Ich verspreche jedoch bei meinem Kreuz, dass vom vielen Schleppen sich leicht aufgeweicht anfuehlt, dass ich in Busan beim Filmfestival ein Best of erstellen lassen werde und nachliefere. Also harret noch knapp eine Woche, dann kommt der bildliche Frieden ueber euch.
Einstweilen also weiter mit diesen komplizierten Abfolgen, genannt Buchstaben, die ja vom Aussterben bedroht sind und daher geschuetzt werden muessen.
Gestern konnte ich noch meinen persoenlicher Aufstieg nicht erwarten. Aus einem ploetzlichem Mangel an IQ verfuehrten mich schon wieder die Rufe des Seoul-Towers, diesmal zur Abendandacht. Im Detail Anstieg zur Talstation mit der Cablecar, die den 360 Grad Suechtigen zum Turmfuss hochhievt. Die Schlange an Nachtgestalten vorm Einstieg ungefaehr dreimal so lange als am Tag eins. Feiertag eben. Doch diesmal verhinderte ich das Erbarmen mit mir selbst und harrte. Ich genoss jede Menge Koerperkontakte ( in einer Quote waren davon 20% durchaus willkommen - die Schoenheit von vielen Koreanerinnen ist ja sprichwoerlich, der Rest verlief abgestuft bis zur Oma mit dem quengeligen Kind, das ihr den als Wartenarkose gedachten getrockneten Fisch wieder ins Gesicht spuckte. ( Anmerkung des Verfassers ohne die Oma zu bewerten - beim suesslich-ranzigen Geschmack dieser voellig umsonst gemordeten Schwimmwesen durchaus zu verstehen. Auch ich hab nur eine halbe Packung runtergekriegt, der Rest war bis nach der Verdauung nur aufgrund nachhaltiger Zen-Uebungen zu uebertauchen.)
Zurueck von der Abschweifung. Irgendwann nach drei Etagen hoch zur Startrampe, Platzeinweisung vor der Gondel - ich war anfangs sehr verwundert, wie die beiden Seilbahn-Linienrichter ohne zu Zaehlen genau wussten, wieviel Personen in den Wackelkaefig duerfen, bis ich zu Boden blickte und feststellte, dass uerberall Fuesse aufgemalt waren, auf denen die Gondolieres sich zu stellen hatten. Kein Fuss mehr uebrig - naechste Gondel.
In der Kabine erzaehlte mir dann ein alter koreanischer Kriegsveteran, wie er hier am Huegel von japanischen Maschinengewehrnestern unter Feuer genommen wurde. Ich war recht froh, erst sechzig Jahre spaeter in der Kabine zu sein.
Nach knapp zehn Minuten waren wir oben. Wartezeit bisher gut 70 Minuten. Mir schwante schon beim Weg zum Turm nichts Gutes. An der Kassa meinte man etwa 60 Minuten Wartezeit, als ich mein Ticket fuer die Aussichtsplattform loeste. Sie sind ja recht clever hier, man erhaelt eine Nummer und wenn die einmal auf Grossdisplays aufgerufen ist, kannst du zum Expresslift einchecken wann du willst.
Ich streunte also am Gelaende herum. Im Aussenbereich fiedelte eine koreanische Band mit ziemlich viel Akzent Guantanamera - zur Begeisterung vieler mitwippender Einheimischer.
Ein Liebespaerchen sass etwas abseits versonnen auf einer Bank und glotzte eine Liebesschnulze am Handy. Ich schaute kurz mit, aber als eine sehr zierliche Frau ihren doch ansehnlichen Mann im Lift verpruegelte, musste ich schon aus chauvinistischen Gruenden mich mit Ekel abwenden.
Hunderte Menschen draengten sich auf einer Aussichtsplattform, die den wirklich wuchtigen River Han in der Fernezu Fuessen hatte. An den Gittern, die verzweifelnd Wartende wie mich vor einer Kurzschlussreaktion zurueckhalten sollen, haengen Vorhangschloesser mit koreanischen Zeichen - unzaehlige. Anfangs noch etwas irritiert, loeste ich das Geheimnis, als ich zwei englischsprachige Texte fand. For our love of lifetime und We will love us forever. So gibt man Schwuere der Zuneigung in Fernost. Jedenfalls duerfte der Schloesserumsatz in Korea dramatisch sein .
Ja und bevor ichs ganz vergesse, ganz oben am Turm war ich auch. Die Aussicht in der Nacht waere traumhaft gewesen, waeren nicht alle Panoramafenster von tausenden Handabdruecken tagsueber mit einer Fettschicht ueberzogen gewesen. Na ja Polizisten und Forensik-Liebhaber haetten ihre Freude gehabt
Die Retourbewegung ganz hinunter waren dann auch nochmals gute 70 Minuten - also im Verhaeltnis zur Nettozeit oben von zwanzig Minuten tief frustrierend. Dafuer hab ich in einer Cowboy-Bar am Nachhauseweg mit einem seltsamen Mix aus Mildost und Wildwest mich mit kalten Bieren getroestet.
Und von den Seiltaenzern heute, ja ich hab einen Ausflug gemacht, erzaehle ich morgen.
Was waere ein guter Schundroman ohne Fortsetzung.

Dienstag, 25. September 2007

Chuseok und ich

Ob wirklich jemand diesen Blog liest, bin ich mir ja nicht sicher. Denn irgendein Feedback ist bis heute ausgeblieben. Ja dich meine ich, genau dich. Es gibt auch Emails, mit denen der Reisende sich staerkt, falls jemand keine Lust hat, seine Meinung ueber mich oeffentlich kund zu tun.
Aber genug der Ruegen.
Seit gestern wird der Chuseok gefeiert, drei Tage lang, eine Art Erntedankfest. Da ist eine Grossstadt ja nicht wirklich der richtige Ort, kann man meinen. Trotzdem auch Seoul swingt zu Trommeln, Floeten und praesentiert sich in bunten Gewaendern aus der Tradition.
Beinahe auf jedem groesseren oeffentlichem Platz ist Stimmung. Gestern bei der Eroeffnung am Citz Plaza perkussierten sechs Frauen und ein Mann das Volk in Fieber. Am Hoehepunkt stagedivte der Junge, mit vollendet durchtrainiertem, schweissgeperlten Oberkoerper nun bar des Hemdes ins Publikum und heizte alle zum Mitgrooven an. Ich kann nur sagen, das ging auch mir in die Aorta. Es war nicht so einfach, mitzutanzen und scharfe Bilder zu machen. Herz und Hirn zu koppeln, wird mich hier noch vor grosse Pruefungen stellen.
Generell ist bereits nach zwei Tagen das passiert, was immer eintritt, wenn ich reise. Meine zu Hause gefassten Plaene zerfasern und der Trieb zum Treibenlassen aktiviert sich. Ich hab soviel vor gehabt, zu organisieren und jetzt ist das Ruder verwaist und mein Schiff treibt steuerlos in die naechsten Wochen. Und das ist gut so.
Was mich weiterhin in Spannung haelt, ist das Essen der Garkuechen hier. Gestern irgendwann um Mitternacht beim Nachhausegehen hab ich mich in einer Strasse geirrt, bin ploetzlich in einer recht dunklen Ecke gelandet und hab schon ueberlegt, ob ich umkehren soll. Da taucht hinter mir ein Polizeiauto auf, Blaulicht, Martinshorn an und stoppt hundert Meter vor mir. Na ja ich bin ja neugierig. Die Jungs springen aus dem Wagen und verschwinden in einer Seitenstrasse. Ich schau um die Ecke dort - Garkuechen in Linie. Da spuerte der Reisende sofort Hunger. Ich hab mir einen Hocker neben den auch hier sich setzenden- was heisst eigentlich Kieberer auf koreanisch - geschnappt und auf die Essensbestandteile gedeutet, die mir am fremdesten erschienen. Delikat - besonders die gelbgruene Rolle, die mein Gaumen als mit einer Art Palatschinke und Pak Choi ummanteltes Shushi identifizierte, waren jede Verirrung wert.
Die Polizisten scheinten mit dem Alarmsignal nur ihren Hunger der Nacht kundgetan zu haben. Kann ich verstehen.
Heute morgen bin ich wieder den Cheonggye entlang ins Zentrum gelaufen. Das ist ein im Herzen von Seoul kuenstlich angelegter Bach mit viel Gruen, Wasserfall, Fontainen, Steinen zum Queren des Wassers, kurz ein Naherholungszentrum, das sich abends als Zugabe noch in Lichtspiele ergeht. Ab Nachmittag ist hier immer reger Verkehr. Vom Fuss-Reinhalten bis Jause, die Staedter lieben ihn.
Im Deoksugong Palast hat der Samul-nori fasziniert. Das ist der Gruppentanz, bei dem eine Art lange Schnur am Hut gekreist wird, waehrend jeder mit seinem Schlaginstrument durch die Arena wirbelt. Zusammen mit rund fuenfhundert frenetischen koreanischen Zuschauern und circa 35 Grad in der Sonne ein wahrlich an die Grenzen gehendes Spektakel.
Im nebenstehenden Artmuseum hat es mich nicht gezogen, eine Wienausstellung (die leidliche Kaiserzeit), waere etwas deplaziert gewesen.
Dafuer hab ich einem Koreaner meine Leica eingepredigt und da die europaeische Fahne hoch gehalten . Nikon sowie Canon madig machen, mag nicht fair sein, aber da ja eh a bisserl Panasonic im Leicagehaeuse eingebaut ist, haelt sich mein schlechtes Asia-Gewissen in Grenzen.
Ich seh mich eher als Botschafter der Ablichtungsguete....

Montag, 24. September 2007

Feiertags in der grossen Stadt

Korea hat frei fuer die naechsten drei Tage.Daher herrschte auch gespenstische Ruhe, als sich der Auslaender kurz nach 9 am aufmachte, erste Tageslichtschritte durch Seoul zu setzen. Auffaellig war eines sofort, Koreaner kehren gerne. In der ersten Stunde, die mich zuegig ins Geschaeftszentrum fuehrte, sah ich nur Maenner mit Besen. Sie fegten die Strasse, die Simse, die Auslagen und die Beleuchtung. Sie kehrten voller Hingabe, akribisch im Detail, ausdauernd im Ganzen. Erzengel gegen den Schmutz zuendeten ein leidenschaftliches Fegefeuer an jeder Ecke, die ich passierte.
Das Naechste was mich in Bann schlug, sind die -ja auch in anderen asiatischen oder afrikanischen Laendern nicht seltenen - Stromleitungen. Ihr wisst schon, nicht das korrekte Unterputzschaetzchen, nein ich rede hier von noch roher, ungebuendelter, brutzelnder Energieverteilung. Ich hab mittlerweile oftmals lange den Kopf oben - was meine Laenge hier wahrscheinlich noch imposanter macht - denn ich kann nicht genug bekommen, von diesen kunstvollen Verstrickungen, wenn Ohm, Volt, Ampere und watt auch immer sich beinahe unsittlich in ein Gestruepp von Kabeln verschlingen und von Verteilern, die eine Aehnlichkeit mit Miniaturmistkuebeln haben, getoppt werden. Im Verbund mit funkelnagelneuer sehr aesthetischer Architektur des 21. Jhr. ein feiner Kontrapunkt, der ausfuehrlich in meine Dokumentation eingebracht wird.
Ebenfalls remarkabel, die Koreaner lachen nur im TV. Waehrend mich auf der Strasse jeder nur von unten her ernst mustert ( geht ja technisch schwer anders - siehe oben), regiert im Fernsehen das Kichern, Giggeln und Kudern. Auch wenn in einer Wochenshow vier Jungs mit Gilets - die Muster und Farben haben, die jede anstaendige Mutter zum sofortigen Verstossen des Kindes noetigen - in einen Raum mit einem Bienstock gesperrt werden, der dann abgedeckt wird - was machen die Helden ? Richtig, sie grinsen ueber das ganze Gesicht, wenn die gelbe Gefahr heranrauscht. Lache ich als Weisser im Echtleben - dreht man sich weg, sieht an mir vorbei oder erroetet ( letzteres ist bei Maennern seltener festzustellen).
Was ich heute nicht gemacht habe: vom Fernsehturm am Huegel auf Seoul runterzuschauen. Als ich mich bei knapp 30 Grad Mittagstemperatur auf steilen Stiegen ( sehr sauberen uebrigens) zur Seilbahntalstation hinaufquaelte ( klingt wie ein Paradoxon, ist es aber), wurde mir schnell klar, warum ich keine Menschen towndown angetroffen habe. Halb Seoul wollte das schoene Wetter nutzen und auch den Hausberg erklimmen. Eine Schlange von gut zweihundert Meter am Ticketschalter, in der Station ueber vier Stockwerke die Gluecklichen bereits mit Fahrkarte. Warten ? Heute ? Nein danke.
Ebenfalls nicht erzaehle ich hier vom Besuch eines der groessten Maerkte, den kulinarischen Erfahrungen mit gepresstem Fisch, warum zerriebene Schlange besser als Viagra sein soll, den Fund eines Baeren und eines Teiles der Berliner Mauer und was hunderte alte Maenner feiertags am Boden im Park tun. Auch nicht, dass Eisverkaufen zu einem geplanten Kabarett werden kann, wie schnell man irritiert ist, wenn neben einem auf der Strasse ein Typ mit einem Schnellfeuergewehr zu hantierten beginnt und dass manche Moenche auf rote Koffer stehen.
Warum nicht ? Weil ich jetzt eine kleine Siesta halten werde, um fit zu sein, das Nachtleben hier zu erkunden. Ab 20 h beginnt ein riesiges Fest um die Ecke und ich hab Feld zu forschen.

Sonntag, 23. September 2007

I am a S(e)oul man

Verehrte Heimatgemeinde,

es ist vollbracht. Etwas gejetlagt aber nicht zeitzonengepeinigt, haben Korea und ich uns gefunden. Viel zur Fitness hat ein erstaunlich leerer Flieger ab Dubai beigetragen, mit zwei leeren Nachbarsitzen hab ich mir ein erstklassiges Zweitklassebett gebastelt und mich von den Emirates Ladies verwoehnen lassen. Das staerkte mich fuer das Warten bei der Einreise, beim Zoll, beim Abholen des Mobilephones, beim Busticket holen, bei der Information und schlussendlich bei der Bushaltestelle. Warten ist hier ein Thema, ich greif es auf und werde es vertiefen.
Mein Hostel hab ich rasch gefunden. Das Zimmer ist ok, nur in der Toilette war kein Licht. Ich musste jedoch. Hose runter, da seh ich auf einmal wie sich im Mondlicht durchs Fenster etwas Laengliches in der Muschel schlaengelte. Ich panikartig hoch, das Ding huepft mir hinterher und jetzt wird es peinlich. Es war mein Hosenguertel, den ich unabsichlich beim Tiefergehen mitversenkt habe......
Dafuer haben mir jetzt gerade die Garkuechen ums Eck Feines geliefert. Ich weiss zwar nicht was es war, aber es schmeckte fantastisch und bleibt auch unten.
Aehnlich wie das Getraenk, dass ich mir bei einem Laden aus dem Regal nahm. Undefinierbar aber interessant. Sollten Mutationen bei mir auftreten lass ich es euch wissen.

Dienstag, 18. September 2007

Fressnapfbeichten

Ich gestehe vor den Screens des world wide web, dem Ort der niemals lügt: Schon früh war der Wurm in mir. Ganz konkret der Regenwurm. Überlieferungen meiner Eltern zufolge wurde ich bereits im Wackelgangalter von Fleischeslust übermannt. Es war ein Frühlingssonntag in der Stahlstadt, die Himmel blauten, die Wiesen grünten, die Menschen jäteten. In den Schrebergärten rings um unsere Arbeitersiedlung pflanzte ein Volk in Extase. Löcher wurden in Erdmutterns Schoß gedrillt, um Setzlinge zu vergraben, Bohnenstangen erigiert und Gießkannen sprühten unablässig. Unnütz lag ich wieder einmal im Gras herum, hatte wahrscheinlich Hunger. Ein durch die Umgrabarbeiten an die Oberfläche katapultiertes, schon leicht ramponiertes Schlängelsushi kam mir zu nahe. Zähne, ein relativ neues Instrumentarium meines Körpers testeten das UFO (unappetizing food object) . Auch wenn meine Mutter einen jähen kulinarischen Interruptus einleitete, die Prägung ist mir erhalten geblieben.
Abartiges Essen turnt mich einfach an. Ob geröstete Honigameisen, gegrillte Zikaden, Maden im Schnaps oder Cochones a la Torero, ob Petit Jaque oder Laplap, nichts was sich anbraten, einkochen, gar machen lässt, ist vor mir sicher.

Spucken war gestern, mit jedem Triumpf über den schlechten Geschmack mehr, stählte sich Gaumen, härteten Magenwände aus und gerannen Verdauungssäfte. Ich schlucke ich nur mehr - alles und immer.

Eher sehr keusch erzogen, gab sich in ersten Experimenten mein Leib anfangs nur für vertrautere Spielarten der S-Lust hin, wie

englisch,



















französisch

















oder spanisch.

















Mittlerweile zeigt er sich bar jeder Hemmung und unersättlich offen für Magentantras in jedweden außereuropäischen Völlereipraktiken.

Daher Bibimbap, Kimchi oder Manduguk, seid wachsam, meine Stäbchen lauern auf euch.
Wenn ihr mich nicht erfüllt, warten ja immer noch knackige Schmetterlingkokons oder zarte Hündchen.

Freitag, 14. September 2007

Herbergssuche im world wide web


Nach stundenlanger Netzreise durch seltsame Zeichen ( man lerne auch die Englisch Versionen von koreanischen Homepages sind oftmals in koreanisch ) ein Lichtblick, man spricht also deutch...
Ich hab mich aber für eine andere Bleibe entschieden, dieses Hotel zu nehmen, wäre zu einfach. Mein neues Startlager- natürlich ansprechend unaussprechlich im koreanischenNamen, der übersetzt "morning calm"heisst - liegt zentral, was immer das bei einer Kleinstadt mit über zehn Millionen Einwohnern bedeutet. Ums Eck breiten sich jedenfalls die Latifundien des Gyeongbokgung Palastes der Joseon Dynastie aus. Diese königliche Familien-AG regierte über fünfhundert Jahre bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts Korea von Seoul aus. Das nenne ich Nachhaltigkeit.



Für mein Quartier weiter südlich in der Hafenstadt Pusan habe ich mich von nachfolgenden Plan weiter unten verführen lassen. Herrlich bunt, errinnert an ein Mega-Mensch-ärgere-dich- nicht. Und der Jagalchi, der grösste Fischmarkt Koreas liegt vor der Tür. So werden die frisch-Fisch-Vitamine A (Immunsystem),B (geistige Frische),C ( Nervenstärke) und D (Optimismus und Entspannung)viel dazu beitragen, die Mission glücken zu lassen.







Fein, da sind sie also. Meine Zimmerwirte. In Seoul und Pusan. Gestärkt durch Online-Zusatzinformationen von Vorabgestiegenen, wie "very helpfull staff but hardly to find" oder " schönstes Hostel auf meiner Koreareise, aber nicht einfach zu finden", fasse ich wieder Mut.

Mittwoch, 12. September 2007

Die Große Menge wird mich nie begreifen,
die Pfeifen.
( mein wortischer Mentor Robert Gernhardt 1937-2006)