Dienstag, 23. Oktober 2007

Autistisch reisen

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Zuvor eine Replik. Mein ebenfalls hochgeschätzter Freund Michael brachte ja eine leichte Kritik zu meiner Art des Reisens ein. Da er kurze Zeit nach meiner Rückkehr ins nipponische Land aufbricht und sicher an allen dreiundfünfzig Stationen des Tokaido Halt machen wird, hat er schon jetzt Ehrfurcht der Gemeinde verdient.

Jedoch nun zu seinem Heikunen Basho, den aufgestellten Regeln und meiner Praxis:

1. Gehe immer zu Fuß.

Ich denke da an ein Gedicht vom Meister höchstpersönlich, das da lautet:

Diesen Weg
geht niemand
an diesem Herbstabend

Ich leite daher unter Berücksichtigung von Punkt drei ab,dass Herr Basho heutzutage auch den Shinkansen benutzen würde,um seine Reisen fortsetzen zu können.

2. Iss nur einfach

Mache ich ständig, das Essen hier ist einfach - köstlich.

3. Schlaf nie zweimal in der selben Unterkunft.

Aufgrund der intensiven Erlebnisse hier liege ich aus Eindrucksverarbeitungsgründen sowieso jede zweite Nacht wach, daher sehe ich auch diese Position als erfüllt.

4. Lass Dich unterwegs nicht auf sinnloses Geschwätz ein.

Der einheimischen Sprache nicht mächtig ergibt sich das zwangsläufig.

5. Blicke tief in Dein Inneres

Meine russische Seele verlangt das permanent von mir - im In- und Ausland.

Der letzte Punkt ist auch eine geeignete Überleitung zum heutigen Thema.

Ich bewege mich in meinen Reisen meistens nussig, abgekapselt. In mir drängeln sich Bilder aber die Kommunikation nach außen dazu ist nicht vorhanden, selbst ein Blog dazu ist nur eine unvollkommene Krücke. Alleine sich fortzubewegen ist ein fortdauerndes bewegtes Meditieren also auch ein dem eigenen Ich sich stellen.


Ich halte es da mit Herrn von Feuchtersleben, einem renommiertem österreichischen Arzt und Philosophen des neunzehnten Jahrhunderts : "Damit das Leben leben kann, muss es geradezu mit Einsamkeit durchtränkt sein."


Glaubt nicht, werte Gemeinde, dass Einsamkeit so einfach zu erreichen sei, denn die Suche nach dem Ideal läuft ja ohnehin immer retrograd ab. Und dann steht der Einsame da, umzingelt von den Massen.



Dann bleibt kein Ausweg. Nur der Takt.



und eine Zeit lang stramm stehen.



Der Wanderer besitzt genug innere Stärke,zu wissen, dass er sich doch ein wenig von den Anderen unterscheidet.

2 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Hast recht mit der Replik. Die besten Regeln sind ohnehin die, die nur für andere gelten. Außerdem geht nichts über Improvisation. Auch der Wanderer Basho hat es gewagt, vier Tage hintereinander in einem der Koya-san-Tempel zu verbringen. Da muss es einfach Smalltalk gegeben haben. Und die Koya-san-Küche ist seit Jahrhunderten die gefinkeltste vegetarische Küche Japans.
Ich mache es mir einfacher: "Ich will hinaus, dorthin, und sehen" (Kenneth White), denn "das Reisen scheint mir eine ersprießliche Betätigung. Der Geist übt sich dabei ständig in der Beobachtung neuer, ihm unbekannter Dinge" (Michel de Montaigne, seit 20 Jahren mein Reiseschatten).

Shiawase, Michael

Anonym hat gesagt…

wenn ich jetzt mit eugen roth auf diese literarischen ergüsse antworte:
Die Welt ist voller Reisewut,indes zu Haus der Weise ruht und lächelnd – oft auch leicht verschroben –
in das Gewühl blickt: Laß sie toben!
sagt das nur, daß ich ein bißchen neidisch bin,daß ich zuhause bleiben mußte.
gruß eduart