Sonntag, 14. Oktober 2007

Eine Atombombe kann einem den ganzen Tag versauen

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Dieser Titel ist eigentlich nur zweite Wahl. Der Ursprüngliche war zwar für die heutige Conclusio treffender, erscheint mir aber doch zu plakativ.



Am Morgen nach der Fortsetzung der Suche nach einheimischem Geld kam kurzes Frohlocken auf, als ich auf die Softbank stieß, die geöffnet hatte. Nachdem der Yen nach der Wirtschaftskrise Anfang 2000 nicht mehr diese harte Währung wie einst mehr bedeutet, ein seriöses Institut, dachte ich mir. Ist es auch, wenn ich ein Mobiltelefon mir kaufen hätte wollen. Die Namensgebungen für Geschäfte hier sind einfach abartig.


Die nächsten Versuche an Bares zu gelangen, die mir zeitlich bald wie Wechseljahre erschienen, fanden in den großen Hotels statt. Nach "Sorry" Nummer fünf gab mir die wie immer vorzüglich höfliche Rezeptionistin ( es gibt offenbar in Japan keine Männer hinter den Empfängen) den Tipp, es beim Postamt neben dem Hauptbahnhof zu versuchen, das auch Sonntags Schalterstunden hat.
Sorry Nummer sechs erwartete mich.
In langsam doch etwas aufgelöstem emotionalem Zustand probierte ich eher beiläufig und ohne große Hoffnung meine Bankomatkarte bei einem der Geldautomaten im Foyer der Post. Es rumorte, es ratterte, ein Fach öffnete sich und Yens lagen vor mir. Ich war so überwältigt, dass ich mit meinem lauten "Ja" alle Blicke auf mich zog.




"Little Boy" zündete am 6.August 1945 um 8h 15 morgens in sechshundert Metern über der Innenstadt Hiroshimas. Rund 150000 Menschen starben sofort, eine weitere Viertelmillion an den Folgeschäden. Die Stadt wurde unter anderem als Ziel ausgesucht, weil die USA glaubten, dass sich keine amerikanischen Kriegsgefangenen hier befanden, was sich später als falsche Annahme herausstellte. Militärisch gesehen befanden sich keine bedeutenden Rüstungsbetriebe oder wesentliche japanische Truppeneinheiten hier. Der Angriff tötete vorwiegend Zivilisten, unter anderem viele Koreaner und chinesische Zwangsarbeiter. Japan hatte außerdem zuvor schon mehrfache Anläufe zu Friedensverhandlungen, wenn auch vorerst für die USA mit unannehmbaren Bedingungen, unternommen. Aus der Sicht von Heute gilt als sehr wahrscheinlich , dass neben dem Hauptgrund, eine verlustreiche Invasion zu vermeiden - allein bei den vorangegangen Schlachten um Okinawa und Iwo Jima fanden rund 20.000 US-Soldaten den Tod - die Bombe auch dem Verbündeten Russland für die Nachkriegszeit klar machen sollte, welche Mächte Amerika entfesseln kann.

Die Ruine der ehemaligen Prefectural Industry Promotion Hall,


eines der wenigen Gebäude, die damals zumindest rudimentär übrig blieben, ist das zentrale Mahnmal im 1960 angelegten weitläufigen Peace Memorial Park.


Heute zeigt sich Hiroshima als charmante, moderne und pulsierende Stadt und kann zumindest jede Menge touristischer Einnahmen aus seiner horriblen Vergangenheit schöpfen. Jedenfalls hat der Wanderer heute mehr Langnasen als bisher auf seiner ganzen Reise gesichtet.


Die restlichen Erfahrungen beim Herumstreifen des heutigen Tages waren als Ausgleich zu den lebensbejahenden Entdeckungen zuzuordnen.

Eine Hochzeit im Gokoku Schrein




und eine Fundrisingveranstaltung im Ortsteil Atagomachi.


Etwas ermattet werde ich den Inhalt meiner eben erworbenen Bentobox mit mir vermählen


und mich dann dem Zen ergeben, ich muss ja für morgen gerüstet sein.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

bist du auf dem letzten foto schon für die sakeverkostung gerüstet? na dann kampai
eduart

Ivan Redi hat gesagt…

das letzte foto ist aus der reihe: kill bill

Ivan Redi hat gesagt…

ah, ja noch was, unbedingt die tschick von photo mit nach graz nehemen. wir haben hier ein mega stress.